Besonders wenn gilt "es war ja alles jederzeit einsehbar, da hätte ja mal früher wer draufkommen können, was zu sagen ... woher hätten wir das wissen sollen ...?"
Dann tut es mir leid, dann fühle ich nichts von Verbindlichkeit und Identifikation mit der Arbeit. Und auch nichts von einem eigenen Qualitätsanspruch an das Resultat.
Wenn wir so arbeiten, komme ich ja zu nichts.
Mein Chef will was von mir. Ich habe gar keine Lust, dass:
Nein, ich will es zu Beginn verstehen, meine Fragen loswerden und dann in Ruhe machen, was ich am besten kann: meine Arbeit.
Ab hier kann man sich auf mich verlassen.
Und wenn sich neue Fragen ergeben, zu denen ich ein Feedback brauche, um einen guten Job zu machen, dann rühre ich mich. Und nur dann, gebe ich einen Zwischenbericht.
In der Zwischenzeit dürfen mein Chef, oder Kunden, oder User gerne draufschauen. Doch jetzt Feedback zu geben, wäre kontraproduktiv. Ich bin ja selbst noch gar nicht mit allem so weit, wie in meiner Vorstellung. Auf diese arbeite ich ja gerade hin, dass diese Vorstellung noch Realität wird.
Und teilweise muss ich diese Vorstellung ja selbst erst noch entwickeln.
Das ist ein Prozess. Und wie der aussieht, sofern es keine Vorgaben und Richtlinien gibt, das gestalte ich gerne selbst.
Wie Information fließt, will ich lenken.
Wann ich Zeit zum Nachdenken brauche, will ich spüren können.
Welche Erkenntnisse ich daraus ableite, will ich zunächst selbst beurteilen.
Bevor alles auf den Prüfstand kommt.
Sonst verbringe ich am Ende noch Zeit, Zwischenergebnisse aufzuhübschen, statt das Endergebnis voranzutreiben.
Sonst verbringe ich mehr Zeit, damit in Meetings über meine Arbeit zu reden, als sie zu machen.
Sonst geht es gar nicht mehr um Resultate und Wirkung, sondern die Show auf dem Weg dahin.
Deshalb bin ich bei Transparenz gerne vorsichtig, was damit wirklich gemeint ist. Jeden Tag im Daily über dieselbe Aufgabe die selben Worte verlieren, ist es sicher nicht.
Teilweise habe ich Arbeitsdokumente mit Zwischenständen auf Laufwerken, wo niemand Unbeteiligtes, der oder die auch tatsächlich daran arbeiten, Zugriff hat. Damit ich niemanden verunsichere, mit dem was alles hinter den Kulissen vor sich geht, damit am Ende ein tolles Ergebnis auf der Bühne steht.
Der Weg dahin ist nicht unwichtig.
Doch für Zwischenstände müssen andere Maßstäbe gelten als für das Ergebnis. Transparenz heißt für mich deshalb nicht "jederzeit alles für jeden sichtbar". Sondern "die richtige Information zur richtigen Zeit für die richtigen Leute". Sonst tun wir auch dem Management und den Entscheidern keinen Gefallen.
Um das richtige Maß an Transparenz zu finden, entscheiden für mich daher folgende Faktoren:
- Wie erfahren ist die Person, der die Aufgabe übertragen wurde?
- Wie klar wurden Anforderungen, Erwartungen und Rahmenbedingungen besprochen?
- Was wurde vereinbart, wie Feedback oder das Reporting erfolgt?
- Wie groß ist die Abhängigkeit vom Ergebnis der Aufgabe?
- Wie leicht lassen sich Fehler später noch korrigieren?
- Wie leicht sind Fehler durch die Person selbst überhaupt erkennbar?
Und dann werden je nach Bedarf Quality-Gates oder -Checks eingebaut. Oder es eben auch gelassen, weil sicher nichts anbrennt.