[2 Minuten Lesezeit] Transparenz ist ein hoher Wert. Besonders im Agilen. Doch too much Zwischeninformation macht alle kirre. Wie findest du das richtige Maß?
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MODERNE PROJEKTMANAGEMENT BOTSCHAFTEN
Die Metapher vom Gewürzgurkenglas: Wer sich richtig anstrengt, ist noch lange nicht wirksam. Und wer einfach mal locker lässt, gibt noch lange nicht auf. [2 Minuten Lesezeit]
Hi , 😃

wie lässt du eigentlich Druck ab?

[wie gewohnt gibt's diesen Newsletter hier auch zum Anhören]

Meine Freude an Alltagsbeobachtungen kennst du ja mittlerweile. Und wie diebisch ich mich freue, wenn sie sich aufs Projektmanagement und unseren Arbeitsalltag übertragen lassen.

Mir ist mal wieder etwas stink-normales passiert: Ich will das Gewürzgurkenglas öffnen. Doch egal wie viel Kraft ich mit den Händen aufbringe, ich bekomme es nicht aufgedreht.

Also greife ich zu Trick-17, den mir mal eine Freundin vor ewig langer Zeit beigebracht hat.

Mal sehen, ob du den kennst:

Du nimmst dir einen Teelöffel aus dem Besteckkasten. Und das Ende vom Stiel steckst du unter die Wulst vom Deckel, da wo der Rand mit seinem Gewinde am Glas festgreift. Das geht nicht an jeder Stelle gleich gut, doch es gibt Lücken, die sind groß genug.

Und dann hebelst du das Ganze auf. Es macht kurz Plopp! und zack, du kannst den Deckel aufdrehen, als wäre es das Einfachste der Welt.

Was üblicherweise passiert.

Das kann eigentlich jedes Kind. Doch entweder hängen wir uns mit all unserer "Manneskraft" und völlig verbissen an den verdammten Deckel, der nicht aufgehen will...mitunter nehmen wir noch ein Geschirrtuch zur Hilfe...und kugeln uns fast die Schulter aus....

Oder wir fragen wen anders: "Kannst du mal bitte eben das Glas öffnen? Ich krieg es einfach nicht auf."

[Man kann das Glas wohl auch von unten mit der flachen Hand anschlagen, doch wahrscheinlich bin ich zu ungeschickt. Auf jeden Fall klappt es bei mir mit dem Löffel deutlich besser.]

Warum das funktioniert.

Die Idee mit dem Trick-17 ist es, den Unterdruck im Glas zu beseitigen. Der ist da drin, damit die Konserven länger haltbar sind. Aus dem Glas wurde quasi die Luft gesaugt. Das Ding steht also ordentlich unter Spannung. Der Druckunterschied hält den Deckel fest. Es bräuchte also einen Druckausgleich.

Hartnäckig und verbissen in die falsche Richtung.

In Projekten passiert das ständig. Wir versuchen, Dinge möglich zu machen. Kämpfen. Hängen uns rein. Geben alles. Bitten andere um Hilfe, ebenso alles zu geben, was in ihnen steckt. Und merken nicht, wie viel leichter es ginge, wenn wir nur wüssten wie ...

Doch wir wissen nicht wie, weil wir den Blick nicht heben. Weil wir keinen Abstand gewinnen. Keine Pausen machen. Nicht groß reflektieren, sondern den Erfolg erzwingen wollen.

Zur Not mit noch mehr (Kraft)Einsatz. Noch mehr Fokus. Auf keinen Fall loslassen. Kein Ab- und Lockerlassen. Bis weit nach Mitternacht.

Wir könnten uns das jetzt schönreden.

Zum Beispiel damit, dass wir eben voll und ganz in der Sache aufgehen. Dafür brennen. Schlicht an nichts anderes denken und alles drumherum ausblenden. Kräftezehrend bleibt es trotzdem.

Dabei müssten wir nur mal Luft dran lassen und den Druck ablassen. Wie beim Glas. Etwas dafür tun, die Spannung abzubauen, unter der das System steht.

Und damit meine ich nicht einfach nur Pausen.

Sondern auch, einfach mal wen anders draufschauen zu lassen. Oder wenigstens über unsere Schulter, während wir uns unter Aufbietung aller Kräfte ganz toll und wirksam fühlen. Wohlgemerkt, weil wir so viel Energie rausschleudern. Nicht, weil wir wirklich produktiv wären.

So verwechseln wir nur Anstrengung mit Wirksamkeit.

Und so wird sogar zwanghaft an ganzen Projekten festgehalten.

Nur weil wir schon so lange daran herumdocktern. So viele Ressourcen aufgebraucht habe. So lange so viel investiert haben.

Was fehlt ist der kritische Blick.

Die Einsicht, dass es so doch nicht gedacht sein kann. Und die Erlaubnis, dass es ruhig auch einfacher gehen darf.

Klar, was ist schon einfach. Doch zwischen kinderleicht und daher nicht der Rede wert und mit dem Kopf durch die Wand gibt es schon ein paar Nuancen, die sich deutlich flowiger anfühlen.

Weniger Kraft, mehr Plopp!

Manchmal sind es schon kleine Veränderungen, ein einziger Perspektiv- oder Belastungswechsel, die zum Durchbruch verhelfen. Die Hebel dafür lauern überall. Meist im Feedback anderer.

Statt stetig mehr Energie ins System zu pumpen, hilft oft Abstand, um Mittel und Wege zu erkennen, Druck herauszunehmen.

Mein Praxis-Tipp, um den Modus-Wechsel aktiv einzuleiten: In einem Moment der Anspannung einfach den Schalter umzulegen, das ist kognitiv kaum zu leisten: Starten würde ich deshalb damit, mal wieder in den Bauch zu atmen. Probier's mal aus.

Das öffnet uns von der Grundhaltung dafür, zu empfangen. Tief einatmen ist ja im Prinzip, das Sich-Öffnen und Zulassen von Input von außen. Damit dürfen dann auch andere Dinge einströmen. Neben Sauerstoff vielleicht auch der ein oder andere neue Gedanke. Die Worte der Umstehenden, die wir längst ausgeblendet hatten. Die Erinnerung, was Oma einst zu sowas gesagt und Opa gemacht hätte. 😉

Letzteres absichtlich mit einem Augenzwinkern. Doch du weißt was ich meine. Auf andere hören. Sich selbst besinnen. Auf vergangene Erlebnisse. Um Assoziationen zuzulassen, die helfen, die aktuelle Situation zu bewältigen.

Statt sich allzu viel auf die eigene Kraft einzubilden, lieber mal lockerlassen und beweisen, dass du den großen Werkzeugkasten beherrschst.

Und manchmal ist das eben ein kleiner Löffel. Das ist kein Cheaten.
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    Chris

    Botschafter für modernes Projektmanagement und Anstifter für moderne Zusammenarbeit


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